Terror-Razzien in Sachsen-Anhalt: Unterstützer rekrutiert aus Neonazi-„Bürgerwehr“

Mitglieder der Vikings Security Germania bei einer "Patrouille" in Schönebeck. | Foto: Screenshot facebook

Am 14. Februar hat die Generalbundesanwaltschaft bei 13 bundesweiten Razzien mehrere bekannte Neonazis festnehmen lassen. Sie waren Mitglied einer Chatgruppe, intern „Gruppe S.“ genannt, die „bürgerkriegsähnliche Zustände“ 1 entfachen wollen. Ihr Mittel: Das gezielte Töten von Politiker*innen, Asylant*innen und Migrant*innen. Nach Recherchen von Sachsen-Anhalt rechtsaussen zeigt sich: Unter den Festgenommenen befindet sich der regionale Anführer der Soldiers of Odin-Abspaltung Vikings Security Germania, einer deutschlandweit agierenden Neonazi-„Bürgerwehr“.

Mitglieder der Vikings Security Germania Division Sachsen-Anhalt nach einem neonazistischen Fackelmarsch in Magdeburg. In der Mitte die mutmaßlichen Terrorhelfer Steffen Balder und Stefan Krause. | Foto: Screenshot facebook

Steffen Balder aus Schönebeck ist Steffen B.2, der unter dem Verdacht der Unterstützung dieser terroristischen Vereinigung festgenommen wurde. Laut Spiegel fanden die Ermittler bei ihm eine selbstgebaute „Slam Gun“, ein großkalibriges Schussgerät, wie es auch der antisemitische Attentäter von Halle nutzte. Steffen Balders extrem rechte Einstellungen zeigen sich auch auf seiner Facebook-Seite. Er teilt Artikel wie „Neonazis rüsten sich mit Kampfsport für den Tag X“, postet Fotos von sich beim Krafttraining. Balder scheint der nordischen Mythologie nahe. Ihm gefallen Gruppen wie die Nordic Brotherhood und der Bund der Ahnen. Auch Stefan Krause aus Coswig gehört dieser „Bürgerwehr“ an. Er wurde ebenfalls festgenommen. Beide posierten in mehreren Bildern mit Kutten der Vikings Security bei einem Rundgang in Schönebeck am 28. April 2019. Auch bei einem neonazistischen Fackelmarsch der sog. Bürgerinitiative Magdeburg im November 2018 waren beide vor Ort. Mittlerweile wurde gegen sie Haftbefehl erlassen3. Die Facebook-Präsenz der Vikings Security Germania Division Sachsen Anhalt ist inzwischen gelöscht, andere regionale Seiten sind jedoch weiterhin online.

Steffen Balder (l.) und Stefan Krause (r.) beim Fackelmarsch der neonazistischen Bürgerinitiative Magdeburg am 10. November 2018 | Foto (Ausschnitt): Presseservice Rathenow
Gründung einer „Bürgerwehr“ im September 2018 durch Steffen Balder. Stefan Krause kündigt seine Unterstützung an. | Screenshot facebook

Die Mitglieder und Unterstützer der rechtsterroristischen „Gruppe S.“ rekrutieren sich aus dem Umfeld weiterer extrem rechter Zusammenschlüsse wie dem Freikorps Heimatschutz bzw. Freikorps Deutschland. Ihr Kopf ist Werner Somogyi (Facebook-Alias „Werner Schmidt“). Ihm wird die Gründung einer rechtsterroristischen Organisation vorgeworfen. „Der 53-Jährige wohnte in einer kleinen Gemeinde im Landkreis Augsburg, unauffällig, zurückgezogen“, schreibt der Spiegel. Auf sozialen Medien postete er im November 2019 den Umriss eines befehlsgehorchenden Mannes, darunter schreibt ein Joszef Dobrovits „We are ready“. Werner Schmidt gefällt’s. Unter seinen 180 Facebook-Freunden finden sich zahlreiche Neonazis, außerdem der Vorsitzende des AfD-Kreisverbands Börde, Thomas Schmirander. Somogyi musste sich dem Anschein nach vor knapp neun Wochen einen neuen Account erstellen, da der alte von Facebook gelöscht worden war. Er selbst kommentiert zur Löschung des Profils eines seiner Freunde: „hab’s mitbekommen, ein Witz, aber warte noch ein wenig, dann laufen diese Cretinos ohne Hände herum ⚔️“. Weitere Festgenommene sind Tony Ebel aka „UnbeugsamTony Cheguearya“, so sein Facebook-Alias, aus Niedersachsen4, Thomas N. aus Nordrhein-Westfalen und Michael B.

Facebook-Diskussion zwischen Werner Somogyi und einem Bekannten. | Screenshot facebook

Diese fünf Männer haben sich nach aktuellem Ermittlungsstand im September 2019 zu einer rechtsterroristischen Organisation zusammengeschlossen. Ihre acht Unterstützer, neben Steffen Balder und Steffen Krause auch ein Verwaltungsmitarbeiter der Polizei aus Hamm (NRW), hatten zugesichert, die Gruppe finanziell zu unterstützen, berichtet der Spiegel. An insgesamt 13 Orten in Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz, NRW, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt waren von der Polizei inklusive Spezialkommandos am Freitag Räumlichkeiten untersucht worden5. Bei den Untersuchungen entdeckten die Beamten neben selbstgebauten Schusswaffen auch Handgranaten. Nur einmal traf sich die Gruppe, die über verschiedene Messenger kommunizierte, im „real life“. Bei einem Treffen in Minden am vergangenen Wochenende ging es auch um die Beschaffung von Waffen aus Osteuropa. Das Treffen war laut Spiegel von der Polizei unter hohem Aufwand observiert worden.

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